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Chronik 1980 bis 1989

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"Die achtziger Jahre"

Eine Art Chronik soll es sein, interessant und einigermassen angenehm zu lesen - so lautete der Auftrag. Dieser ist leichter zu erteilen als zu erfüllen, denn das Wort Chronik tönt verdächtig nach Zahlen und Daten, und schon fährt der Finger zur Zungenspitze, um ihn zum Weiterblättern etwas anzufeuchten. Dennoch, der Versuch sei unternommen, Sie, liebe Leserin und Sie, lieben Leser, noch etwas bei der Stange zu halten. Was also passierte Wichtiges in den achtziger Jahren?

Pfadi weltweit

Das nachhaltigste Ereignis in diesem Jahrzehnt geschah ganz zum Schluss, der Fall der Berliner Mauer. In den ehemaligen Ostblockstaaten war die Pfadfinderei verboten, und mit der Öffnung schossen die Pfadfindergruppen förmlich aus dem Boden (1992 waren es bereits eine Million Mitglieder). 55jährige Leiter und Leiterinnen waren die Regel, Jüngere kannten diese Art der Freizeitbeschäftigung nicht. Es war ein riesiger Ausbildungsbedarf vorhanden, denn in den vierzig Jahren haben sich wenn nicht Idee und Ziele, so doch Methodik und Umfeld in der Pfadfinderei gänzlich geändert. Die westeuropäischen Verbände boten Hand, in vielen Leiterkursen und Lagern konnten sich junge Menschen kennenlernen und gegenseitig bereichern. Von den vielen weiteren internationalen Kontakten sind die in Kanada und Australien durchgeführten Weltpfadilager zu erwähnen. Alle diese Aktionen haben ein gemeinsames Ziel: Den Pfadis andere, ihnen fremde Kulturen zugänglich zu machen und Freunde anderer Nationalitäten zu gewinnen.

Weltweit gibt es in 120 Ländern etwa 24 Millionen Pfadfinder (wovon 8 Millionen Mädchen). Sie anerkennen alle Rassen, Religionen und Gesellschaftsschichten.

Die Pfadibewegung Schweiz

1987 fusionierten Mädchen und Buben zur Pfadibewegung Schweiz (PBS). Sie umfasst ca. 60'000 Mitglieder in 700 lokalen Abteilungen und ist somit die grösste Jugendorganisation im Land. Der Zusammenschluss gab zu vielen Grundsatzdiskussionen Anlass.

So lautet das neue Pfadigesetz:

Wir Pfadi wollen...

  • offen und ehrlich sein
  • andere verstehen und achten
  • unsere Hilfe anbieten
  • Freude suchen und weitergeben
  • miteinander teilen
  • Sorge tragen zur Natur und allem Leben
  • Schwierigkeiten mit Zuversicht begegnen
  • uns entscheiden und Verantwortung tragen

Dieses Gesetz verbindet die Pfadis in aller Welt, und ein feierlich abgelegtes Versprechen untermauert die Bereitschaft zu versuchen, nach dem Pfadigesetz zu leben, sich immer wieder damit auseinanderzusetzen, nach Sinn und Ziel seines Lebens zu suchen und sich in jeder Gemeinschaft einzusetzen, in der man lebt.

Das alles tönt wahnsinnig gut - zu gut? Natürlich sind zwölfjährige Jugendliche überfordert, die Tragweite von Gesetz und Versprechen zu erfassen. Er oder sie muss das auch gar nicht, sondern das Verständnis und die Auseinandersetzung mit dem Gesetz soll mit der persönlichen Entwicklung einhergehen. Auch ein Erwachsener kann sich in den verschiedensten Lebenssituationen vom Pfadigesetz herausgefordert fühlen. Damit ist ein anderer wichtiger Bereich angesprochen: Der persönlich Fortschritt und die Entwicklung zu einem ganzheitlichen Menschen sind erklärte Ziele der Pfadibewegung Schweiz.

Soweit das philosophische Umfeld. In Projekten und Lagern versuchen die lokalen Abteilungen, dieses Gedankengut umzusetzen. Die gewählten Methoden richten sich vor allem nach dem Alter der Mitglieder. Die häufigsten Mittel zur Umsetzung sind:

  • Teamgeist erleben lassen
  • Ideen, Kreativität und Stimmungen ausleben lassen
  • sich in der Natur bewegen
  • spielerische und sportliche Aktivitäten
  • Feiern abhalten (besinnliche, heitere und ausgelassene)

Es sind unzählige dieser Tätigkeiten, welche auch die achtziger Jahre der Aadorfer Bubenabteilung prägten.

Die Pfadiabteilung Orion

1980 begann fulminant, zusammen mit 19'000 anderen Pfadis nahm die Abteilung am Bundeslager teil. Unter dem Motto «Völker der Erde» vertraten die Oriönler Tunesien. Dabei wurde die Völkerverbundenheit nicht nur an den offiziellen Anlässen wie Erdlagerfeuer und Feiern auf dem Platz der Nationen, sondern auch programmunabhäng gepflegt. Verschiedene Tunesier waren nämlich überdurchschnittlich oft bei den benachbarten Griechinnen anzutreffen. Als eine dieser Damen später als Fotomodell in «Meyers Modeblatt» erschien, führte dies bei jemandem zu einem länger anhaltenden Anflug von Grössenwahnsinn.

Das Bundeslager war die Geburtsstunde der Pfadizeitung KOMET. Ein 9köpfiges Redaktionsteam stürzte sich voller Tatendrang in die Arbeit. Freudig, weitaus weniger enthusiastisch allerdings, äusserte der damalige Abteilungsleiter Marcel Kopp in seinem Vorwort drei Wünsche. Unter anderem:«Ich wünsche, dass unser KOMET möglichst lange überlebt...». Er bezog sich dabei auf frühere Zeitungsexperimente und bekam nach vier Ausgaben KOMET leider Recht. Aber der KOMET schlief nur etwas lange - seit 1985 erscheinen regelmässig 4 Ausgaben pro Jahr. Information und Unterhaltung sind gewährleistet. Und die Rätsel sind lösbar. Dies nach einer kleinen Unterbrechung im Jahre 1987, wo alle Nichtakademiker entnervt irgendwo zwischen Alpha und Beta aufgeben mussten. Die Bitte des Abteilungsleiters nach Vereinfachung wurde vom damaligen Redaktor Richard Frischknecht/ Skorpion mit der Bemerkung weggesteckt, es könne halt nicht jeder Einstein sein.

Ein anderes Thema, das während des ganzen Jahrzehnts beschäftigte, war die Pfadihütte. 1981 erschien ein erster Aufruf an die Eltern um Mithilfe bei Ausbesserungsarbeiten. Verschiedenste Projekte wurden aufgegriffen - und wieder verworfen. So wartet beispielsweise der ehemalige Dachstock der Kantonalbank während Jahren in einem Lager der Griesser AG auf Abruf, der niemals erfolgte. Gezeichnete Pläne wurden an den Elternversammlungen 1988 und 89 diskutiert, aber nicht in die Tat umgesetzt. Das Problem Pfadihütte sollte erst in den Neunzigern seine Lösung finden.

Regelmässig wurde den Pfadern ein zweiwöchiges Zeltlager im Sommer geboten und den Wölfen ab 1981 ein einwöchiges Hauslager im Herbst. Während die Wölfe der Ostschweiz treu blieben, zog es die Pfader in alle Landesteile. Eines der schönsten Lager wurde sicher 1983 in Le Pont (VD) durchgeführt. Direkt am Lac de Joux standen die Zelte. Flosse wurden gebaut, und das Wetter war während zwei Wochen traumhaft schön. Weitere Lagerorte in den Achtzigern: Matten (BE, Bundeslager), Salgesch (VS), St. Maria (GR), Engelberg (OW), Filzbach (GL), Corgémont (BE), Corpataux (FR), Ramosch (GR) und Seelisberg (UR).

Die Mitgliederzahlen schwankten zwischen 47 am 1. Januar 1980 und 57 am 31.12.1989. Zu Jahresbeginn 1988 wurde mit 68 Mitgliedern der Höchstbestand erreicht. 5 Leiter betreuten die Abteilung zu Beginn 1980, doppelt soviele engagierten sich 10 Jahre später für Orion. Als Marcel Kopp/ Chrott sein Amt als AL zur Verfügung stellte, fiel Orion für eine kurze Zeit in den luftleeren Raum, da praktisch gleichzeitig alle Leiter ausstiegen. Eine ganze Vennergeneration wurde über Nacht zu Leitern, das AL-Amt wurde für einige Monate interimistisch von Roman Ruckstuhl/ Hecht belegt. Alex Sprenger/ Schwalbä konnte sich nach dem Bundeslager wieder für die Pfadi begeistern und sprang in die Lücke. Während fast 5 Jahren leitete er Orion mit grossem Engagement. Für die Wolfsstufe war Balz Ryf/ Blitzverantwortlich. 1986 ging das AL-Amt an Stefan Wüest/ Schwafli über, bis dahin für die Pfadistufe zuständig. Er leitete Orion bis Ende 1989. Ihm zur Seite stand ein Dutzend Leiter, darunter Pascal Kretz/ Hägar als Stellvertreter, Eric Kooreman/ Quitsch in der Pfadistufe, Hanspeter Frischknecht/ Tschiggo bei den Wölfen, und dessen Bruder Andreas Frischknecht/ Flipper sowie Andreas Manz/ Simba und Giuseppe Annunziata/ Gispel als sogenannte stille Reserve für besondere Aufgaben.

Markus Gräub/ Muggä baute die neu entstehende Raiderstufe auf, denn es war vorhersehbar, dass durch die wachsenden Bestände nicht mehr jeder Vierzehn- oder Fünfzehnjährige mit einem Gruppenleiteramt betraut werden konnte und sich diese Altersgruppe unterfordert fühlen könnte. Mit der Raiderstufe wurden für diese Jugendlichen zusätzliche Möglichkeiten geschaffen. Sie konnten ihre Aktivitäten nach ihren Bedürfnissen selber planen und durchführen, betreut von einem älteren Leiter.

Die Zusammenarbeit mit der Aadorfer Mädchenabteilung beschränkte sich zu Beginn des Jahrzehnts auf die gemeinsame Durchführung der Waldweihnacht. Die Kontakte wurden intensiver, Beispiele dafür sind gemeinsame Skitage und Teilnahmen an Dorfanlässen sowie Unternehmungen im Leiterteam. 1987 fand ein Sommerlager statt, bei dem die Lagerplätze nur durch einen kleinen Wald getrennt waren und einige Programmpunkte gemeinsam durchgeführt wurden. Die Zusammenarbeit bei der Pfadizeitung blieb während dem ganzen Jahrzehnt leider eine theoretische Angelegenheit, die Redaktion bestand immer nur aus Oriönlern. Die näheren Kontakte führten nicht zur Fusion - zumindest nicht im grossen Stil. Dagegen waren kleine private Fusionen zu Prüfzwecken nicht unüblich.

Zum 55jährigen Geburtstag der Tänikoner Abteilung wurde eine neue Tradition ins Leben gerufen, der Abteilungstag. Am 25. März sollten sich fortan die Mitglieder zu einem besinnlichen Abend einfinden. Thema ist jeweils das Pfadigesetz, und bei einem grossen Feuer kann das Versprechen erneuert werden. Ebenfalls konnte der Abteilungspulli vorgestellt werden. Gregi Jegge/ Kauz kreierte das Signet, das Urstück der Orion-Collection war geboren. Badetücher, Uhren, Kappen und Trainer sollten folgen. Als Krönung des Jubiläums fanden in Aadorf die beiden Kantonaltage statt. Rund 1'500 Mädchen und Jungen aus dem ganzen Kanton waren zu Gast. Die Wochenenden standen unter dem Oberbegriff «Asterix und Obelix». An den Samstagen gehörte den Jugendlichen das verkehrsfreie Dorfzentrum, an den Sonntagen starteten sie zu den Postenläufen in der Aadorfer Umgebung. Die Organisation der beiden Grossanlässe brachte nicht nur viel Arbeit, sondern auch ein bisher ungekanntes Mass an Zusammenarbeit von Elternrat, Eltern und Aktiven beider Abteilungen mit sich. Dieses gemeinsame Engagement war sehr eindrücklich.

Auch der folgende Pfadertag sollte zur bleibenden Erinnerung in der Abteilungsgeschichte werden. Noch nie zuvor fiel an der Rangverkündigung der Name Orion so oft, wie 1989 in Romanshorn. Die Wölfe, in den vorigen Jahren in Sachen Rangierungen eher gebeutelt, ergatterten den 2. Rang. Bei den Pfadern gewann Fähnli Fuchs unter Venner Rémy Chenevard/ Parvus den Wettbewerb, und Hurricane plazierte sich an ebenfalls ausgezeichneter 9. Stelle. Die Abteilungsfahne wehte ständig im Wind, und der Schlussruf am Bahnhof Aadorf war in punkto Lautstärke und Begeisterung der Herausragendste des Jahrzehnts.

Stefan Wüest v/o Schwafli